Schlosskirche zu Eisenbach
Neben der ersten spätgotischen Burgkapelle mit einem schönen Sterngewölbe im Fünfeckturm rechts neben dem Tor zur Kernburg entstand um 1440 in der Vorburg eine weitere gotische Kapelle, von der die Fresken im Altarwandsockel der heutigen Schlosskirche erhalten sind.
Nach den Wirren des 30-jährigen Krieges wurde in den Jahren 1671 - 1674 anstelle dieser Kapelle die heutige Schlosskirche im barocken Stil als evangelische Predigtkirche erbaut. Als solche diente sie dem Haus Riedesel sowie den Angestellten und Bediensteten auf Schloss und Gut Eisenbach. Sie gehörte zum Kirchspiel Frischborn, das ursprünglich aus ihr als Mutterkirche hervorgegangen ist.

Die im Talgrund des Eisenbaches stehende spätgotische Annenkapelle wurde im Jahre 1517 als letzter katholischer Sakralbau im Riedeselland geweiht.

In heutiger Zeit wird die Schlosskirche für die sommerlichen Andachten der Patronatsgemeinden und zu Konzerten der Lauterbacher Pfingstmusiktage genutzt.

Geistliche Besinnungen
Von Juni bis September finden an jedem ersten und dritten Sonntag im Monat jeweils um 17.00 Uhr „Geistliche Besinnungen“ statt, die von Pfarrerinnen und Pfarrern der Riedeselschen Patronatsgemeinden gestaltet werden.


Einrichtung der Schlosskirche
Die Fresken der gotischen Vorgängerkirche (um 1440) zeigen u.a. Christophorus, den Schutzheiligen aller Reisenden, einen der 14 Nothelfer. Seine Verehrung an dieser Stelle passt zu der Vermutung, dass Schloss Eisenbach einst als Straßenburg zum Schutz der bedeutenden Verkehrsverbindung zwischen Rhein-Main-Gebiet, Vogelsberg und Niederhessen, einem Teilstück der „Weinstraße", erbaut worden ist. Wie Christophorus mit seinem ganzen Leben und aller seiner Kraft Christus gedient und seinen Mitmenschen auf ihren Wegen geholfen hat, so ruft die Gestalt auch den heutigen Betrachter dazu auf, ein Christusträger zu sein.

Die buntbemalten Säulen der Eisenbacher Schlosskirche tragen die den Kirchenraum auf drei Seiten umlaufende Empore, auf deren Westseite die Orgel eingebaut ist. Damit haben sie eine die hörende Gemeinde und das Gotteslob tragende Funktion. Ihre Schäfte zeigen reliefartig herausgeschnitzte Weinranken mit Laubwerk und Früchten. Sinnbildlich lässt sich in ihnen ein Christussymbol entdecken: Im 15. Kapitel des Evangelisten Johannes spricht Jesus: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun." (Vers 5) 
Der gläubige Betrachter ist eingeladen, sich wie eine Weinranke um Christus herumzuranken, um Stütze und Halt für sein Leben zu gewinnen, an ihm zu bleiben wie die Rebe am Weinstock, um allezeit Nahrung, Kraft und Lebenssaft zu finden und die Früchte der Liebe zu erbringen.

Der Kanzelaltar wurde als krönendes Kunstwerk 1673 von Caspar Wiedemann aus Schlitz im sogenannten Knorpelstil geschaffen. In ihm spiegelt sich der Grundgedanke lutherischer Theologie von Christus als dem gepredigten Wort des lebendigen Gottes, das anstelle des katholischen Messopfers auf dem Altar dargebracht wird und so die Gegenwart Christi im Sakrament des Heiligen Abendmahls durch das gepredigte Wort unterstreicht. Allein schon der Altar erweist diese Kirche als ein durch und durch evangelisches Gotteshaus.

Die Totenschilde zu beiden Seiten des Altars und an den Emporenbrüstungen vergegenwärtigen das Leben derer, denen sie gewidmet sind, für die gottesdienstlich versammelte Gemeinde. Der Glaube an Jesus Christus, welcher durch sein Leiden, Sterben und Auferstehen zum „pontifex maximus" - großen Brückenbauer - wurde, schlägt die Brücke zwischen Lebenden und Toten, zwischen Zeit und Ewigkeit und rückt das Ziel allen Seins in der zukünftigen Gottesherrschaft, in die wir schon jetzt mit den ersten drei Bitten des Vaterunsers einstimmen, vor Augen.


Schloss Eisenbach
Die Burg zu Eisenbach wurde vermutlich als Straßensicherungsburg durch die Grafen von Ziegenhain als Obervögte des Stiftes Fulda um oder vor 1200 erbaut und den Rittern von Eisenbach zu Lehen gegeben.
Diese Burg ist 1217 erstmals in einer Urkunde Kaiser Friedrichs II. erwähnt und wurde 1269 im Zuge der fuldischen Stiftsfehde zerstört. Bereits 1288 wiederaufgebaut, übertrugen sie die Grafen von Ziegenhain als Lehen an Hermann Riedesel, den „Goldenen Ritter", nachdem 1428 die Eisenbacher im Mannesstamm ausgestorben waren. Seither ist Eisenbach Stammsitz des Rittergeschlechtes der Riedesel, das vom hessischen Landgrafen mit dem Erbmarschallamt belehnt und 1680 von Kaiser Leopold in den Freiherrenstand erhoben wurde.
Eine Fülle baulicher Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte gaben der Burg, im heutigen Sprachgebrauch „Schloss Eisenbach" genannt, ihr derzeitiges Aussehen.
Das Junkerland der Riedesel Freiherren zu Eisenbach wurde 1684 abschließend ein souveräner Kleinstaat in Hessen. Durch seine Schlüsselstellung bei der Einführung der lutherischen Reformation erhielt Schloss Eisenbach den volkstümlichen Beinamen „Oberhessische Wartburg". Hermann IV Riedesel zu Eisenbach hatte durch seine Verbindung zum Landgrafenhause bei einer Begegnung mit Luthers Freund Philipp Melanchthon den lutherischen Glauben angenommen; 1527 führte er im Junkerlande die Reformation ein. - Sein Bruder Theodor verharrte allerdings im überkommenen katholischen Bekenntnis und versuchte die Reformation rückgängig zu machen. Beide Brüder lagen sich im Eisenbacher Schloss eine Zeitlang als erbitterte Gegner an konfessionell verschiedenen Altären gegenüber. - Hermann IV verstarb 1529, wenig später, 1531 sein Bruder Theodor. - Hermanns Sohn, Hermann V., übernahm 1532 die Regentschaft. Er wurde zum „Beförderer der evangelischen Religion" und verhalf der Reformation im Riedesellande zum Erfolg.